Das Endocannabinoid-System kann als Kommunikationssystem betrachtet werden, welches zwischen dem menschlichen Gehirn und dem Körper fungiert. Tatsächlich sind inzwischen eine breite Palette an Funktionen und Wirkungsmechanismen bekannt, vor allem im Bereich der Gefühle, unserer Stimmungen und der allgemeinen Schmerzwahrnehmung. Mittlerweile geht es nicht mehr nur um „die gesundheitlichen Aspekte der Marihuanapflanze“, sondern um die möglicherweise wertvollen Interaktionen zwischen den körpereigenen Endocannabinoiden  und denjenigen aus der Cannabispflanze. Und genau hier besteht nun die Hoffnung, endlich einen neuen Ansatz in der Medizin gefunden zu haben, der zahlreiche Krankheiten auf eine neue Art und Weise heilen oder behandeln könnte.

Endocannabinoid Rezeptoren – wo befinden sie sich?

Auch ganz ohne je Kontakt zu einer Cannabispflanze gehabt zu haben, besitzt der menschliche Organismus endocannabinoide Rezeptoren. Diese befinden sich im ganzen Körper und können je nach Lage unterschiedlich reagieren und entsprechende Reaktionen hervorrufen. Fälschlicherweise wird oft angenommen, dass sich die Rezeptoren ausschließlich im Gehirn befinden. Das stimmt nicht ganz, denn auch in diversen Drüsen und in Immunzellen wurden sie bereits entdeckt. Die Funktion der Rezeptoren besteht in erster Linie darin, das innere Gleichgewicht zu halten und die Homöostase aufrecht zu erhalten.

Die Geschichte der Cannabinoide

Dass die Cannabispflanze heilende Wirkungen besitzt, wussten bereits die Ägypter und viele andere, die den Konsum der Pflanze mit den Auswirkungen auf den Körper beobachteten. Zu damaliger Zeit handelte es sich lediglich um eine Heilpflanze, die zur Schmerzlinderung und geistigen Reinigung verwendet wurde. Heute hat man es geschafft, sie zu kriminalisieren, eine sehr veraltete Denkweise, die sich zum Glück langsam von ihren Fesseln befreit. Es waren tatsächlich die Cannabinoide der Cannabispflanze, welche das Endocannabinoid-System im menschlichen Organismus „entdeckten“. Immerhin ging man davon aus, dass wenn die Einnahme dieser Cannabinoide diverse Reaktionen hervorruft, es auch ein System und dazugehörige Rezeptoren geben muss.

Erst 1992 konnten erste Substanzen isoliert und synthetisiert werden, welche sich folglich an die CB1 Rezeptoren banden. Im weiteren Verlauf konnte man noch einige weitere Stoffe ausfindig machen, die entsprechende Reaktionen hervorriefen und die Forschung bis heute weiter anstachelten.

Typen der Cannabinoid-Rezeptoren

In der Forschung sind bislang zwei Typen von Cannabinoid-Rezeptoren bekannt, die CB1 und CB2 Rezeptoren. Sie befinden sich tatsächlich überwiegend im Gehirn und im Immunsystem. Erforscht ist ebenfalls, dass sich Cannabinoide aus der Cannabispflanze an eben diese Rezeptoren aus dem Körper binden können und mit ihnen interagieren. Und mehr noch, sie verändern diese sogar soweit, dass der Organismus entsprechende Reaktionen hervorruft.

Der Cannabinoid-Rezeptor 1 befindet sich in erster Linie in den Nervenzellen, vor allem aber im Kleinhirn und im Darm, im peripheren Nervensystem. Der Cannabinoid-Rezeptor 2 liegt überwiegend auf den Zellen des Immunsystems und auf denjenigen Zellen, die am Knochenaufbau und dessen Abbau beteiligt sind.

So funktioniert das Endocannabinoid-System

Tatsächlich ist noch nicht genug – wenn auch schon ziemlich viel - darüber bekannt, wie genau das Endocannabinoid System mit den Cannabinoiden aus der Cannabispflanze interagiert. Die Tatsache aber, dass die Rezeptoren entsprechend im Körper verteilt sind, deutet auf eine Reihe vielfältiger Funktionen hin. So vermutet man schon, dass der CB2-Rezeptor eine bedeutende Rolle im Immunsystem spielt. Was das Gedächtnis oder die Regulierung der Bewegungen angeht, so lassen die CB1 Rezeptoren noch Vermutungen auf den Plan rufen.

Die endogenen Cannabinoide werden von postsynaptischen Nervenzellen freigesetzt und wirken auf so genannte Neuronen. Je nachdem wie viele Transmitter nun freigesetzt werden, kann die Wirkung ausgemacht werden. Somit kann die Aktivität der Transmitter entweder herabgesetzt, gesteigert oder gehemmt werden. Aufgrund aktueller Forschungsergebnisse nimmt man stark an, dass CB1 Rezeptoren notwendig sind, um negative Erinnerungen löschen zu können. Dies würde zumindest erklären, weswegen gerade bei Angststörungen derart viele positive Erfahrungsberichte auftauchen.

Doch nicht nur hier lässt die Forschung Hoffnung aufbringen. Auch im Bereich von Schmerzzuständen, Schlafstörungen, Appetitstörungen und im Bereich von Krebszellen oder der Krebsentstehung konnten erste Vermutungen aufgestellt werden, welche sich nach und nach immer mehr bestätigen lassen.

Endocannabinoide lösen physiologische Effekte im Körper aus

Treffen Wirkstoffe wie CBD und THC aus der Cannabispflanze  auf die entsprechenden Rezeptoren aus dem eigenen Körper, so werden Reaktionen ausgelöst. Diese können beispielsweise auch psychoaktiv sein und das Gedächtnis, bzw. die Wahrnehmung beeinflussen. Andere lösen ein diverses Hungergefühl oder ein entspanntes Gefühl aus und verändern die Schmerzwahrnehmung.

Die bekanntesten Cannabinoide CBD und THC

Cannabinoide haben also eine Auswirkung auf unseren Körper. Allerdings muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass diese Auswirkungen komplett unterschiedlich ausfallen können. So soll es beispielsweise Menschen geben, die nach dem Konsum von THC, dem wohl bekanntesten Cannabinoid unserer Zeit, überhaupt keinerlei Wirkung verspüren.

Fakt ist, dass Marihuana das Cannabinoid THC enthält, das Delta-9-Tetrahydrocannabinol. Der Konsum dieses Stoffes ist in Deutschland und Österreich nicht erlaubt und strafbar, auch wenn inzwischen zahlreiche heilende Wirkungsweisen durch einen Konsum bekannt wurden. Immer noch gilt Cannabis als Droge, was überwiegend auf dem Inhaltsstoff THC basiert. Interagiert das Cannabinoid THC mit unserem Endocannabinoid System, so werden wir „high“ und erleben die verschiedensten Wirkungen. Und es hat einen rein biologisch erklärbaren Grund, weswegen wir nach dem Konsum von Marihuana enorm viel Hunger bekommen, eine stark ausgeprägte gute Laune bekommen und intensive Gedankensprünge erleben. Für viele Menschen ein Grund, auch illegal THC zu konsumieren.

Inzwischen ist es aber längst nicht mehr nur das THC, welches in der Medizin Anhörung fordert. Auch das Cannabinoid CBD sollte besonderes Augenmerk erhalten. CBD ist der Antagonist des THC und damit auch völlig legal. Cannabidiol hat nämlich keine psychoaktive Wirkung und beeinflusst nicht derartig die Hirnfunktion, indem es auf das zentrale Nervensystem einwirkt. Kurzum, man wird vom Konsum durch CBD nicht high. Im Gegenteil, das CBD ist nach dem Konsum eines Joints dafür verantwortlich, dass sich das THC abbaut und der Normalzustand zurückkehrt. Eine erstaunliche Erkenntnis, denn somit wissen wir inzwischen, dass Cannabidiol bei Schlafstörungen, Übelkeit, Angst- und Panikattacken oder chronischen Schmerzzuständen helfen kann.

Inzwischen lässt sich CBD völlig getrennt vom THC konsumieren und damit auch komplett legal erwerben. Auch weiß man, dass die medizinischen Anwendungsmöglichkeiten des Cannabidiol, diejenigen anderer Cannabinoide aus der Forschung übertreffen und definitiv in der Medizin wertvoll eingesetzt werden könnten.

Endocannabinoide in der aktuellen Forschung

Immer mehr Forschergruppen interessieren sich für die Cannabinoide und deren Auswirkungen im Endocannabinoid System des Körpers. Sie beschreiben die Cannabinoide als drogenähnliche Substanzen, die im Körper eine Schlüsselrolle spielen. Inzwischen wissen wir schon ziemlich viel über die Auswirkungen und Interaktionen zwischen den Komponenten. Immerhin forschen Wissenschaftler in Universitäten bereits seit vielen Jahren und bringen immer neue Erkenntnisse. Warum und weshalb man seitens der Medizin und Pharmaindustrie nicht aktiver wird, um die Forschungen voranzutreiben und zu endgültigen Ergebnissen zu bringen, kann nur spekulativ beantwortet werden.

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